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Niklas & Paul Schehl - Arbeitplatz Wald

Die Braunsbacher Brüder Niklas (27) und Paul Schehl (21) zählen zu den besten Mountainbikern der Welt. Seit Jahren sind ihre Räder Teil ihres Lebens, und sie feiern internationale Erfolge. Ihnen ist ein respektvoller Umgang zwischen Wanderern, Autofahrern und Radfahrern wichtig, da sie als Profisportler viele Stunden im Wald und auf der Straße unterwegs sind. Während Niklas in der Eliteklasse fährt, ist Paul noch ein letztes Jahr als Nachwuchssportler in der U23 aktiv. In EINBLICKE erzählen sie, wie sie zum Mountainbiking gekommen sind.

Freuen sich gemeinsam (von links): Vater Christoph, Schwester Franziska, Niklas und Paul Schehl.

Entspannt sitzen Niklas und Paul Schehl am Esstisch des rotgestrichenen Holzhauses ihrer Eltern und genießen die tolle Aussicht ins Kochertal. In Braunsbach sind sie jedoch nur noch selten. Ihren Lebensmittelpunkt haben sie in Freiburg im Breisgau. „Dort haben wir den Schwarzwald direkt vor der Haustür ideale Trainingsbedingungen und die Infrastruktur eines Olympiastützpunkts zur Verfügung“, erklärt Niklas die Wahl ihres Wohnorts. Bis zu
30 Stunden pro Woche verbringen die beiden Brüder  auf ihren Renn- und Mountainbikes. Hinzu kommt noch einmal so viel Zeit für das Training im Kraftraum, Analysegespräche mit den Trainern und Meetings mit den Sponsoren. 

Niklas Schehl (vorne, Nr. 80) wird von vielen Zuschauern entlang der Rennstrecke angefeuert.

Niklas hat einen Vertrag mit dem Riese & Müller MTB Racing Team und studiert „nebenher“, wie er sagt. Er wurde mit 14 Jahren Europameister und war bis 2024 Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Als Vollprofi im Lexware-Mountainbike Team hat Paul schon einige Erfolge zu verzeichnen: Er ist unter anderem Weltmeister, Deutscher Meister und wurde 2022 Dritter bei der Europameisterschaft. „Allerdings fehlt hierzulande die Aufmerksamkeit für unseren Sport“, bedauert Paul. In Deutschland können 10 bis 15 Mountainbiker von ihrem Sport leben – die beiden Brüder und Mitglieder der VR Bank gehören definitiv zu dieser kleinen Gruppe.

Niklas Schehl war schon in jungen Jahren mit viel Freude auf dem Rad aktiv: Im Alter von sechs Jahren machte er auf dem BMX-Rad Sprünge und nahm an Rennen teil. „Geschwindigkeit hat einen tollen Flow“, beschreibt er das Gefühl. Je älter er wurde, desto öfter nahm er an Rennen teil. Für Paul war sein älterer Bruder das Vorbild. Die ganze Familie war bei den Rennen dabei, übernachtete im Zelt, und der Vater kümmerte sich um die Räder. „Das hat Spaß gemacht“, erinnert sich Paul. Irgendwann kam jedoch ein Durchhänger und er wollte nicht mehr weiterfahren. „Dann waren wir gemeinsam in Nové Mˇesto in Tschechien“, erzählt er. „Die tolle Atmosphäre und das begeisterte Publikum haben mich angesteckt, und ich wollte wieder aufs Rad steigen.“ 

Ihre Arbeitsgeräte sind High-Tech-Maschinen. Der Standard-Rahmen besteht aus extrem leichtem Carbon. Hinzu kommen Bremsen, Stoßdämpfer und Pedale von führenden Herstellern. Alle Teile sind mit Sensoren ausgerüstet. Die Daten können ausgelesen werden und dienen als Grundlage für das Training. Die Komponenten werden auf die jeweilige Strecke abgestimmt: Sollen nur kleine Unebenheiten abgefedert werden oder sind eventuell weite Sprünge möglich?

Für die nahe Zukunft haben sich beide einiges vorgenommen: Niklas strebt den Deutschen Meistertitel im Cross Country an, einen Platz unter den Top 50 in der Weltrangliste sowie internationale Podestplätze. Paul möchte 2026, seinem letzten Jahr in der Altersklasse U23, möglichst viele Rennen gewinnen und Weltmeister werden. Er ist zuversichtlich, dass ihm dies gelingt: „2025 war ich sechs Mal unter den Top 3 und hatte weitere Top-8-Ergebnisse“, zählt er auf. Dafür werden beide auf der ganzen Welt unterwegs sein. Unter anderem sind in Südkorea, Brasilien, den USA, Kanada und selbstverständlich in Europa Rennen angesetzt. Die beiden Brüder werden voraussichtlich an mindestens 150 Tagen unterwegs sein.

Beide haben darüber hinaus Olympia 2028 als langfristiges  Ziel im Blick. „Das wird unfassbar schwierig“, gesteht Paul. „Deutschland hat nur zwei Startplätze. Da muss alles passen, und wir müssen auch Glück haben.“ Niklas ergänzt: „Dazu brauchen wir eine gesunde Ernährung, um Leistung bringen zu können und gesund zu bleiben. Außerdem dürfen wir nicht stürzen und uns nicht verletzen.“